Einen Sessel neu beziehen Teil 2

Hier kommt nun der 2. Teil meines Tutorials wie man einen Sessel neu bezieht.  Beim letzten Teil habe ich euch ja schon gezeigt wie ihr den Sessel komplett auseinander nehmt und berechnet wie viel Stoff ihr benötigt. Kommen wir nun dazu den Sessel wieder zusammen zu setzen.

Was ihr für diesen Teil noch braucht:

  • euren neuen Möbelstoff
  • eine Nähmaschine
  • einen Tacker (also so einen richtigen, nicht den fürs Büro) mit viiiiiiielen Tackernadeln
  • Polstergarn (oder sehr reißfestes, dickes Garn), wie hier
  • eine runde Polsternadel (Die lege ich euch wirklich ans Herz, wenn ihr nicht alles tackern wollt), wie hier, sowas habe ich aber auch schon bei Karstadt in der Stoffabteilung gesehen.

1. Stoff zuschneiden
So der Stoff ist gekauft und idealerweise einmal gewaschen (Denn wenn er einmal am Sessel ist, bekommt ihr ihn so schnell nicht wieder runter bzw. sauber). Jetzt legt ihr euren Stoff glatt ausgebreitet auf den Fußboden und fangt an eure einzelnen Stoffteile drauf zu platzieren. Denkt an eventuelle Laufrichtungen, ich hatte mich zum Beispiel für einen Streifen-Stoff entschieden und habe darauf geachtet, dass die Streifen an Rückenlehne, Sitzkissen (oben und vorne am Rand) und an der Vorderseite des Sessels nachher richtig liegen. Habt ihr alles so gelegt wie ihr es möchtet geht’s ans festheften und ausschneiden. Schaut auch nochmal wo Nahtzugaben dran und müssen und wo nicht

Tipp: Lasst die alten Stoffteile erstmal noch dran geheftet, da ihr sie ja mit einer Nummer bzw. Beschreibung versehen habt, könnt ihr nachvollziehen wo welches Teil früher mal dran war.

2. Ränder versäubern und Vlies einnähen
Wichtig ist nun alle Ränder vorher zu versäubern. Ihr könnt natürlich auch einfach eine Overlockmaschine nehmen, die hab ich aber nicht. Außerdem kam bei meinen Teilen teilweise noch Vlies unter den Stoff, zum Beispiel bei den Armlehnen und bei der Rückenlehne. Darum hab ich die Teile, die Vlies bekommen haben zusammen mit dem Vlies einmal versäubert und die restlichen ohne Vlies einmal mit Zickzackstich am Rand abgenäht.

3. Paspelband nähen
An meinem Sessel sind die vorderen Teile der Armlehnen, sowie das Sitzkissen und der Hocker noch mit Paspelband verziert. Drum wird jetzt erstmal gepaspelt. Wie man Paspelband selber machen kann, könnt ihr euch hier anschauen. Hier kommen noch zwei Tipps von mir:

  • Es wird empfohlen das Band als Schrägband anzulegen, und wie immer dachte ich: „Ach, das machen die doch nur um uns zu ärgern …..“ Nein, tun sie nicht. Ich habe den ersten Stoffstreifen gerade zugeschnitten und später beim annähen der Paspel feststellen müssen, das es unschöne Falten wirft. Also bitte die Paspelstreifen IMMER im 45° Winkel zur Stoffkante zuschneiden, ihr ärgert euch später nur.
  • Bei meinem Sessel waren anstelle von Baumwollbänder so „Plastikkabel“ als Paspel vernäht und dumm wie ich war, wollte ich die wiederverwenden. Aber sie entpuppten sich als störrische undankbare Biester heraus. und ich werde falls ich nochmal auf sowas stoße, lieber etwas mehr Geld investieren (sooooo teuer sind diese Dinger ja nun wirklich nicht) und mir gutes Seil kaufen. Bekommt man übrigens auch günstig im Baumarkt.

4. Einmal alles Rückwärts – Jetzt wird genäht
Schaut auf eurem schlauen Zettel, oder noch besser, ihr wisst noch was ihr als letztes gemacht hattet, bevor ihr den Stoff gekauft und ausgeschnitten hattet. Denn jetzt nähen wir alle Teile mit dem schönen neuen Stoff wieder zusammen. Bei mir kamen als erstes die Paspeln an die vorderen Teile der Armlehnen dran.

Anschließend kamen an die Armlehnen selber, die grauen Filzstoffe, um die Armlehne später wieder vernünftig an den Sessel zu spannen. Das Gleiche an der Rückenlehne.

Und dann wurde Rückenlehne, mit den inneren Ohrenteilen und den beiden Armlehnen wieder zusammen gesetzt.Hier das ganze noch einmal von links:

5. Vordere Armlehne mit Paspel
Zuerst gab es erst einmal ein „Probeliegen“ um zu schauen ob auch alles richtig liegt. Und dann habe ich die vorderen Armlehnen-Teile mit der Paspel an die Armlehne genäht. Also die Paspel wurde grob an das vordere Armlehnenstück genäht (Punkt 4), dann wurde alles auf den Sessel gelegt und so gespannt und mit Nadeln festgesteckt, damit anschließend auch alles richtig liegt. Dann wurde der ganze Kram wieder abgenommen und der vordere linke und rechte Armlehnenteil an der Nähmaschine richtig angenäht.

6. Tacker“dietack“
Nun kann der vordere untere Teil (wo nachher das Sitzkissen drauf liegt) an den Sessel getackert werden und anschließend das große Armlehnen-Rückenteil. Immer schön spannen und tackern. Erst wichtige Punkte die später richtig sitzen sollen (zum Beispiel die Nähte der Rücken/Ohrenteile) oder der umfassende Seitenteil der Armlehnen. Denkt auch an den inneren Teil des Sessels, alle Filzstoffteile müssen auch wieder an den richtigen Teilen des Sesselgestells fesgetackert werden, sonst verzieht sich der Bezug.

Der Sessel von unten:und von hinten:
Anschließend den Rest richtig schön festtackern. Bei meinem Sessel waren hinten an den Ohren noch falten gelegt wie bei den Armlehnen vorne, die wurden auch von mir feinsäuberlich mit Nadeln festgesteckt (damit das auch auf beiden Seiten gleich wird) und dann festgetackert.

Hier ist das gute Stück noch nicht festgetackert:

7. Die Armlehne unten
Am unteren Teil wo der Armlehnenstoff auf den unteren Stoff trifft, habe ich die Paspel mit der Hand angenäht. Der alte Bezug wurde hier auch nur billig festgetackert, aber ich fand es mit einer unsichtbaren Naht schöner. Das ganzer habe ich dann mit der Polsternadel mit einem Matratzenstich festgenäht. Man braucht dann auch keine Angst haben das man sich in den Finger tackert – sowas könnte mir zumindest durchaus passieren. Durch die runde Form der Polsternadel kann man wirklich sehr kleine und genaue Stiche machen. Eine normale Haushaltsnadel würde nur verbiegen, abbrechen oder im Inneren des Sesselstoffs verschwinden.

8. Rückenteil nähen und an den Sessel bringen
Jetzt ist es doch tatsächlich bald geschafft. Es fehlt noch der Stoff von der Rückseite, das sind nur drei Teile umnäht mit einer Paspel.

Anschließend kommt das mit Vlies beklebte Rückenteil wieder an den Sessel (wird festgetackert).

Und anschließend wird in liebevoller Handarbeit das Rückenteil einmal komplett per Hand und Polsternadel an den Sessel gebracht. Auch hier kann man natürlich einfach an der Paspel entlang tackern, aber ich fand das unsichtbare annähen schöner und auch irgendwie meditativ.

9. Boden bespannen und Füße dran
Damit von unten keine Spinnen reinkrabbeln kommt natürlich auch wieder ein Stoff an den Boden des Sessels. Vorher war das so ein dünner, schwarzer Plastikstoff. Jetzt hab ich ihn mit Nesselstoff bespannt, das passt besser zur restlichen Optik.

Nach dem Spannen oder vielleicht auch schon vorher markiert ihr euch die Löcher für die Füße und macht euch kleine Löcher in den Bodenstoff. Füße rein und fertig ist der Sessel… nein noch nicht ganz etwas fehlt noch…

10. Sitzkissen nähen
Na klar, so direkt auf den Federn des Sessel sitzt es sich nicht so gut. Also noch schnell den passenden Bezug für das Sitzkissen genäht und nun kann man endlich auf dem Sessel kuscheln, lümmeln, stricken, lesen und was weiß ich noch alles. Und wenn ihr den Sessel gemeistert habt, ist es ein Klacks noch den passenden Hocker zu beziehen.

Traut ihr euch nun heikles so ein Projekt zu? eigentlich ist es mit der richtigen Vorbereitung gar nicht mehr so schwer. Schreibt mir doch gerne mal in die Kommentare, was ihr für ein großes Möbelprojekt vorhabt. Ich freu mich!

Hier geht es sonst noch einmal zum ersten Teil des Projekts.

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Cathrin Kl am 13. April 2018

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